Cindy's Geschichte V 19.11.2008
Ich
bin Cindy, ein Beagle-Labrador-Mix und weiß sehr genau, was ich will -
vor allem, was ich nicht will. Ich bin zwar nicht mehr die Jüngste -
aber unterschätzen sollte man mich nicht!
Fangen wir mal von vorne an. Geboren wurde ich am 11.06.1993 in einer idyllischen Landschaft in Schleswig-Holstein, Richtung dänische Grenze. Meine Mutter war 'ne ganz Nette, meinen Vater habe ich nie kennen gelernt. Ich wuchs mit meinen zwei Geschwistern in einer liebevollen Umgebung auf, die Kinder des Hauses beschäftigten sich viel mit uns, setzten uns z. B. in den Puppenwagen und fuhren uns durch die Gegend. Eines Tages kam ein Mann und eine Frau, die mich ganz toll fanden. Ich mochte die Beiden auch und so war es beschlossene Sache, dass ich dort wohnen sollte und als ich 12 Wochen alt war, zog ich nach Kropp. Mein neues Herrchen hat mich mit einem Bekannten abgeholt. Natürlich musste ich Auto fahren, aber das macht mir inzwischen großen Spaß, weil es immer irgendwo hingeht, wo ich was Neues entdecken kann. In meinem neuen Zuhause angekommen, war ich mit Herrchen noch alleine. Er zeigte mir als erstes meine neue Umgebung. Vor allem der kleine Wald hinter unserer alten Mietwohnung hat es mir besonders angetan. Ich wusste genau, hier werde ich noch genug herumstöbern und viele andere neue Bekanntschaften (Hunde) finden. So kam es wie es kommen musste, einen Monat später zog im Block gegenüber eine Dalmatinerhündin ein. Wir wurden schnell dicke Freunde... wenn keiner aufpasste sprang ich sogar über den Balkon, um mit ihr zu spielen. Ich glaube, wir waren die Hunde, die in Kropp am Lautesten spielten. Jedenfalls schauten immer alle Nachbarn aus den Fenstern und lachten über uns.
Na ja, aber auch ich sollte eine Ausbildung genießen: Verkehrs- und Begleithundeprüfung...oh nein was für ein Graus. Kennt Ihr auch das berühmte "U"-Laufen. Was für ein Schwachsinn! Wer hat das erfunden? Der hat doch keine Ahnung. Ich habe es auf jeden Fall geschafft und freute mich auf ein sorgenfreies Dasein mit Frauchen und Herrchen. Ja denkste, weit gefehlt, die fingen auf einmal an, jeden Tag in einem Büro mitten im Dorf zu arbeiten. Jeden Tag kamen viele Leute ins Büro, die ich auch oft angebellt habe, hat manchmal auch Spaß gemacht. Aber im Ganzen betrachtet, war es dort ganz schön langweilig.
Eines Tages sind wir erneut umgezogen, gar nicht weit weg von unserer Mietwohnung, ins Industriegebiet. Ich bekam einen großen Garten, toll, ich konnte den ganzen Tag in der Sonne liegen oder draußen herumtollen. Die Nachbarschaft kannte ich ja und so war ich überall herzlich willkommen, solange Frauchen nichts merkte. Aber eines kam mir allmählich spanisch vor, meine Erziehung wurde auf einmal etwas ernster genommen. Mit knapp 11 Jahren (ich hatte schon die ersten Zipperlein) sollte ich zum Therapie- und Behindertenbegleithund ausgebildet werden. Ich war völlig überrumpelt, hätte ich doch selbst schon einen Therapiehund für mich benötigt. Aber ich lief die erste Zeit tapfer mit und stellte fest, dass es auch sehr lohnenswert war ins Altersheim zu gehen. Die Leckerli's hielten mich auf jeden Fall auf Trapp und so schien ich manchen Patienten auch ein bischen Lebensfreude wieder zu geben.
Bis Herbst 2004, Frauchen war lange weg, weiß der Geier auf welchem Seminar die wieder war, aber spätestens wenn sie wieder da ist, wird das Gelernte garantiert an mir wieder getestet. Zwar freute ich mich wieder auf mein Frauchen, aber was mich dann erwartet, das könnt Ihr Euch nicht vorstellen, ich bin das reinste Testobjekt. So kam es wie kommen musste, Frauchen kam im Dezember nach langem Seminar endlich nach Hause......aber was war das? Nee, das darf doch nicht war sein, alles konnte ich mir vorstellen, aber das nicht. DIE brachte tatsächlich einen 10 Wochen alten "Hosenscheißer" mit! Ich mit 11 Jahren sollte mich mit einem Collie beschäftigen? Der ging mir auf die Nerven, nirgends war ich sicher vor ihm, ich konnte ihn auf den Rücken legen, laut werden, kneifen, knurren, nichts half, er wollte nur von mir lernen. Na gut, ich ließ es schließlich zu und bis heute ist er mein persönlicher Therapiehund.
So
vergingen weitere 2 Jahre, wo wir beide auch viel unternommen haben und
ich muss zugeben, ich mag ihn heute richtig; hin und wieder kneife ich
ihn auch mal ganz zärtlich, dann geht er immer ganz stolz an mir vorbei,
mein kleiner Lipizzaner...
Im September 2006 fuhren Frauchen und Herrchen eines vormittags weg und ließen uns beide alleine. War ja sonst nichts Ungewöhnliches, wir machten es uns gemütlich und warteten. Als beide nach Hause kamen, mussten wir beide erst in den Garten, das war schon sonderbar zumal Herrchen noch nicht ins Haus kam. Der kam ein paar Minuten später durch die Gartentür- aber nicht alleine- da war noch ein Hund (wenn man das so nennen konnte) dran. Nee, nicht schon wieder, 10 Wochen auch noch weiblich, eine Colliehündin. Sie wurde Gina genannt Wie soll das mit mir enden, Frauchen, ich bin jetzt 13 Jahre alt und soll noch mal Mutter (Oma) spielen? Auf jeden Fall war nicht nur ich skeptisch, sondern auch mein Freund Quentin. Der hat erst einmal den Harten rausgekehrt und ihr gezeigt, wo die Harke hängt.
Nach
ein paar Tagen hatten wir uns alle aneinander gewöhnt und
zwischenzeitlich hat auch Quentin entdeckt, dass man mit dieser
"Prinzessin" spielen kann. Sie hat uns beide inzwischen auch ganz gut im
Griff, wobei ich mich mit meinen nunmehr 15 Jahren immer weiter
zurückziehe und mich mit meiner Demenz auseinandersetzen muss. Zum Glück
geht es Herrchens Papa auch so, so dass wir nun eine Selbsthilfegruppe
gegründet haben. Wir treffen uns jeden Mittwoch manchmal auch
zwischendurch, je nach Schwere der Ausprägung, und erzählen uns dann die
Neuigkeiten von gestern, von gestern und noch mal von gestern oder so.
Ich hoffe, es bleibt alles noch lange so...ich bin in meinem Alter jetzt
sehr zufrieden und lächle oftmals über das Erlebte...
Das war es einmal kurz von mir
Eure demente Cindy (fast 16 Jahre alt)
Gina, Frauchen, ich und Quentin
Cindy ist am 19.11.2008 über die Regenbogenbrücke gegangen und kann auf ein wirklich ereignisreiches Leben zurückblicken.
Danke, dass Du so lange bei uns warst... Ilona, Wolfram, Gina und Quentin
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